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Dissoziative Störung

Dissoziative Störungen

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Wie steht es um Ihre Aufmerksamkeit? Kommt es vor, dass Sie immer wieder "gar nicht richtig da sind?" Haben Ihnen andere Menschen vielleicht schon die Rückmeldung gegeben, dass Sie häufiger wie "weggetreten" wirken? Hat man Ihnen schon mal gesagt, dass Sie wie durch einen hindurch zu schauen scheinen, dass ihr Blick sich verliert, dass der andere Mensch sie gar nicht mehr erreichen kann? Diesen Mechanismus nennt man DISSOZIATION, er wirkt sich in einer Beziehung wie der Abbruch des Kontaktes aus. Für den Menschen der das macht, ist es ein Schutz, nämlich der Versuch, eine ihm unerträglich erscheinende Situation zu verlassen.

Für Menschen die traumatisiert wurden, vor allen Dingen wenn sie schwer traumatisiert worden sind, kann jede Kontaktaufnahme zu einem anderen Menschen wie eine Bedrohung erlebt werden, und deshalb verschwinden sie sozusagen aus dem Kontakt, wenn andere irgend etwas tun, das sie als stressig empfinden. Das bedeutet, Dinge, die sie als Stress erleben, sollten Sie besser unterlassen. Prüfen Sie genau, mit wem sie sich wohl und mit wem Sie sich unwohl fühlen.

Ist es Ihnen schon einmal aufgefallen, das Sie unter Gedächtnislücken leiden? Wissen Sie immer mal wieder nicht, was eigetnlich in den letzten Minuten, Stunden, Tagen vor sich gegangen ist? Vielleicht haben Sie sich angewöhnt, das gut zu überspielen, so dass es in ihrer Umgebung kaum jemand merkt.

Sind Sie manchmal in seltsamen Zuständen, in denen Sie sich wie erstarrt fühlen? Oder ganz weit weg von sich selbst? Alles ist wie im Kino und es ist, als würde der Film gar nichts mit Ihnen zu tun haben?

Ärzte sprechen von dissoziativen Störungen, wenn Menschen sich sehr häufig dissoziativ verhalten und von dissoziativen Verhalten, wenn nur ggf. im Rahmen anderer Erkrankungen vorkommt

 

WICHTIG!!!!

Der Verdacht auf eine dissoziative Störung oder auf dissoziatives Verhalten ist ein ziemlich sicherer Hinweis, das hier eine Traumafolgestörung vorliegt. Nur relativ selten hat es andere als traumatische Ursachen.

Quelle: TRAUMA, Folgen erkennen, überwinden und an ihnen wachsen
Prof.Dr:med. Luise Reddemann
Dr. med. ornelia Dehner -Rau

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Was ist Dissoziation?

Hier eine gute Beschreibung aus dem Buch
Nicht allein
von Christine Striebel
Dissoziation

Das Trennen der gefühle vom Körper, auch dissoziation oder " "Aussteigen" genannt, ist eine Möglichkeit des Kindes, sich während des Übergriffs zu schützen. Während Yogis jahrelang üben müßen, um dissoziieren zu können, greifen Menshen, die traumatischen Erlebnissen ausgesetzt sind,automatisch auf diesen Schutzmechanismus zurück. Das Kind bleibt zwar physisch notgedrungen in der Gewaltsituation, ist aber psychisch an einem völlig anderen Ort. Auf körperlicher Ebene handelt und reagiert es automatisch. Je häufiger ein Kind dissoziieren muß, umso mehr wird dieser Mechanismus ein Bestandteil seiner Persönlichkeit. Irgendwann setzt er dann bei ähnlichen Situationen automatisch ein (Generalisierung). Das kann sich auch auf spätere Liebesbeziehungen auswirken. Frauen, die sexuelle Gewalt erfahren haben, wünschen sich einerseits oft nichts sehnlicher als Geborgenheit, auch in der Sexualität, doch die Angst vor erneuten Verletzungen bringt sie dazu erneut auszusteigen. Manche Frauen beschreiben den Zustand des Aussteigens auch als ein Verlassen des Körpers. Ihr körper liegt weiter im Bett, während sie sich von oben beobachten (siehe auch meine Beschreibung von Depersonalisation und derealisation.

Genau dieses Erlebniss hatte ich auch erlebt. Ich hab mich als Erwachsene Frau gesehen, so wie jetzt, habe von oben beobachtet wie die kleine Nicole von ihm mißbraucht wurde. Man kann es sich vorstellen wie in manchen filmen, wenn die Seele aus dem Körper huscht und zusieht wie die ärtze um das Leben kämpfen des Menschen wie z.B. in dem Film Ghost. Erinnert ihr euch? Aufarbeitung geschieht auf die selber art und weise.

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Meine Erfahrung mit Depersonalisation und Derealisation

 

Im April 2007 waren ich und Helge auf einem Geburtstag eingeladen. Es begann schon zu Beginn der feier als mir ein Beschäftigter des Gasthauses sehr komisch vorkam. Ich wusste zu Beginn nicht was ich von diesem gefühl halten sollte. Es irritierte mich. Ich bekam Angst vor diesem menschen und wusste nicht warum. Jedesmal wenn er an unseren Tisch kam, mußte ich ihn ansehen, aber konnte ihn nicht in die Augen sehen. verließ er den Tisch schaute ich ihm nach und war so voller Hass als ob ich vor meinem Stiefvater stehen würde. Ich konnte damit nichts anfangen. Es wurde immer schlimmer und ich war unfähig darüber zu reden. ich fühlte mich so fehl am platz und so unwohl. Irgendwann habe ich Helge eine sms geschrieben obwohl er neben mir saß. Aber ich konnte es nicht aussprechen was los war. Helge meinte vielleicht hätte er irgendwas an sich was mich an meinen Stiefvater erinnert. Plötzlich war es klar. Er hatte den selben Schnauzbart wie mein Stiefvater. Der Schnauzbart war der Auslöser (trigger) für diese furchtbare situation. Dadurch rutschte ich in eine schwere situation die ich unter depersonalisation und derealisation beschreibe.

 Ich wurde durch diesen Menschen in einen Zustand der Depersonalisation versetzt, dabei konnte der arme Kerl ja gar nichts dafür. Mein innerlicher Zustand verschlimmerte sich von Minute zu Minute ohne das von aussen jemand etwas mitbekam. Ich merkte plötzlich wie meine Gefühle sich verabschiedeten. Ich hatte das Gefühl, ich beobachte die Menschen in dem Raum von wo anders aber nicht von mir aus. Es nahm die Menschen in dem Raum nur noch von weiter Entfernung wahr und die Stimmen und das Gelächter war alles so weit entfernt. Es war als sehe ich einen Film an und das alles passiert nicht real. ( auch zu beschreiben als entfremdungsgefühl von sich selber und der Umgebung) Ich denke so etwas sind Erfahrungen die damals während der Mißbrauchssituation passiert sind. anders würde ein Kind sowas wohl kaum ertragen können. Es war wie ein Wegtreten, wie als ob man eine extreme Beobachterposition einnimmt die mit unheimlichen Ängsten gekoppelt ist.

Oft reagierte ich auf neue Erinnerungen auf die selbe Art und Weise. Aber immer sah es ein wenig anders aus. Und es war egal in welchen Situationen ich war. Ob ich in der Öffentlichkeit war oder mit Freunden zusammen war. Aussenstehende bekamen solche Momente nicht mit. Helge und meinen besten Freundinnen war es möglich es zu unterscheiden. Sie sprachen mich darauf an. Helge hat oft darauf reagiert und mir in dieser Situation immer wieder bestätigt es ist alles in Ordnung, mir kann nichts mehr passieren, es ist vorbei, dadurch war es mir möglich wieder ruhiger zu werden. In solchen Situationen war es oft sehr sehr schwer den Unterschied zu finden zwischen Vergangeheit und Gegenwart. Der Kopf spielt dir einen Streich und du fühlst dich zurückversetzt in die Situation von damals und bist dem hilflos ausgeliefert.

Mittlerweile passieren solche Dinge so gut wie gar nicht mehr, ich habe durch die Terapie gelernt richtig mit solchen Zuständen umzugehen. Für viele mag sich das sehr verrückt anhören und vielleicht denken auch welche ich sei verrückt, aber ich weiß, es ist eine normale Reaktion meiner Seele auf den Mißbrauch. Ich habe ihn Jahrzehntelang verdrängt und habe mich nie damit auseinandergesetzt, und jetzt ist die Zeit dafür. Ich bin bereit mich meiner Vergangenheit zu stellen.

Nachtrag Februar 2010

Vor 6 Monaten befand ich mich in einer schweren Krisensituation. Während eines Klinikaufenthaltes machte ich des öfteren dissoziative Erfahrungen. Es zeigte sich durch Abwesenheit und ich musstemir in solchen Momenten bewusst machen  im Hier und Jetzt zu bleiben. Ich spürte direkt wenn mich eine  Situation überforderte, wie ich langsam aber sicher meiner Gefühle ausschaltete. Ich wirkte dann abwesend und weit weg mit meinen Gedanken. Körperlich spürte ich dabei ein Kribbeln das durch meinen ganzen Körper ging bis ins Gesicht. Es war ein Gefühl als ob mir alles einschläft innerhalb von Sekunden. 1 mal kam es vor das ich kaum ansprechbar war. Seit die schwere Krise überwunden ist, ist auch das dissoziative Verhalten wieder verschwunden. Es geschieht meist dann wenn man mit einer Situation überfordert ist oder wenn eine Situation gefühlsmäßig nur schwer zu ertragen ist. Traumatisierte Menschen sind natürlich immer der Gefahr ausgesetzt in Kisensituationen zu dissoziieren, was aber nicht heißt das sie nicht in der lage sind Krisen zu meistern. Denn jeder kann lernen mit der Problematik oder besser gesagt mit solchen Situationen umzugehen ohne das es Folgen hat oder ohne das es das Umfeld und Mitmenschen mitbekommen.

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Jeder kennt leichte Formen der Dissoziation!!

Dazu gehören z.B. das tagträumen oder eine gewisse Desorientiertheit kurz vor dem Einschlafen oder kurz nach dem Aufwachen. In Belastungssituationen kennen viele das Gefühl, äußerlich zu funktionieren, sich selber aber weniger zu spüren. Manche beobachten sich auch selbst, z.B. bei Reden vor einem Puplikum, was zur Distanzierung dient und vor zu großer Aufregung schützen kann.

 

Wann wird Dissoziation zur Störung?

Bei frühen und lang anhaltenden wiederholten Traumatisierungen nutzen Kinder die Fähigkeit zur Dissoziation als Überlebenstrategie. Sie ist vergleichbar mit der Erstarrung oder dem "einfrieren" im Tierreich, wenn Kampf oder Flucht nicht möglich ist., Die Fähigkeit zur Dissoziation wird zur Störung, wenn sie nicht mehr kontrollierbar ist. Auslöser (Trigger) für dissoziatives Verhalten kann alles sein, was Erinnerungen an vorangegangene Traumata hervorruft. Das können ganz alltägliche Dinge sein z.B. Gerüche, Farben, Formen, Geräusche oder Berührungen. Meist ist der Zusammenhang nicht bewusst, die konkrete Erinnerung kann sogar völlig fehlen.

Übung

Was kann man tun wenn man in dissoziative Zustände gerät?

1. Machen Sie sich bewusst: Dies ist ein dissoziativer Zustand, er geht vorbei, wie alles andere auch
2. Machen Sie sich klar: Dieses Verhalten geschieht, weil es mich ursprünglich geschützt hat, jetzt brauche ich es nicht mehr, ich habe andere Möglichkeiten.
3. Halten Sie ihre Augen geöffnet und spüren Sie den Boden unter den Füßen.
4.Aktivieren Sie sich durch etwas kaltes( z.B. Eiswürfel oder fliesendes kaltes Wasser über Hände, Arme oder Gesicht)
5. Hören Sie beruhigende Musik.
6. Machen Sie sich den Unterschied klar zwischen damals und heute. Sagen Sie sich laut, welches Datum heute ist, wo sie sich gerade befinden, wie alt sie sind.
7. Atmen Sie bewusst. Nehmen Sie achtsam wahr, wie sie ein-und ausatmen. Atmen Sie mit geöffneten Augen, konzentrieren Sie sich etwas mehr aufs ausatmen.
8. Bewegen  Sie sich: Gehen Sie spazieren, schütteln Sie sich aus, stampfen Sie mit den Füßen, tanzen Sie.
9. Machen Sie etwas mit den Händen: Schreiben, malen, Gartenarbeit, Puzzeln, Handarbeiten oder ähnliches.
10. Nehmen Sie eine Dusche und konzentrieren Sie sich auf den Kontakt des Körpers mit dem Wasser.
11. Haben Sie Mitgefühl mit sich selbst. Sie verdienen einen liebevollen Umgang mit sich selbst.
12. Sorgen Sie dafür, dass Sie sich mit Menschen umgeben, die Ihnen wohl tun und von denen Sie sich nicht bedroht fühlen.
13. Wenn Sie dessen sicher sind, können Sie sich sagen: Ich bin jetzt mit XX zusammen, ich weiß das er/sie es gut mit mir meinen. Wenn ich jetzt dissoziiere, hat das mit alten Geschichten zu tun. Ich bin jetzt in Sicherheit.