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justiz_148960.jpg Hier möchte ich eine Art „BLOG“ erstellen, in der ich meinen persönlichen Weg beschreibe zur

 

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UND

TÄTERKONFRONTATION

 

 

Ihr könnt Schritt für Schritt verfolgen wie ich einen Anfang gefunden habe und wie die ganze Sache eines Tages endet.

 

13. Januar 2009 

 

Seit Beginn meiner Aufarbeitung vor 2 Jahren stellte ich mir immer wieder die Frage nach dem „WARUM, WIESO und WESHALB?“ Was geht in so einem Menschen vor, der Kinder sexuell mißbraucht. Heute weiß ich, ich werde niemals eine Antwort darauf bekommen und seit einigen Wochen will ich diese Antwort auch gar nicht mehr. Denn selbst wenn ich eine Antwort bekommen würde, würde ich es wohl nie verstehen oder geschweige denn dafür Verständnis haben.Im Laufe des letzten Jahres denke ich immer öfter daran, meine Täter mit dem Geschehenen zu konfrontieren. Ich habe keinen Kontakt mehr zu ihnen, aber ich denke es wäre eine Leichtigkeit herauszufinden wo sie zu suchen sind.

Bereits zwei mal hatte ich unheimlich reale Träume was so eine Sitiation der Konfrontation betrifft. So habe ich im Traum meinen Stiefvater „fertig“ gemacht, ihn angebrüllt, auf ihn eingeschlagen, ihm gesagt was ich von ihm halte usw. Jedesmal lief der Traum gleich ab. Er lag reuemütig vor meinen Füßen und heulte wie ein kleines Kind und versuchte sich zu rechtfertigen und bat mich um Verzeihung. Ich genoß diese unglaubliche Stärke die ich ihm gegenüber hatte. Doch leider waren es nur Träume. NEIN, eigentlich kann ich nicht sagen: "leider", denn diese Träume halfen mir beim verarbeiten und aufarbeiten.Immer wieder kommen Zeiten, wo ich daran denke, nach all den Jahren eine Anzeige zu machen. Oder ihn anzurufen und ihm ins Gesicht zu sagen was ich von ihm halte und was er mir angetan hat. Bisher waren dies immer nur Gedanken. Aber mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt wo ich deutlich spüre „meine Zeit“ wird kommen. Und eine Täterkonfrontation wird mir helfen das vergangene abzuschließen. Teilweise hab ich sogar das Gefühl, es ist der Schlüssel zu meiner neuen Zukunft. Der Schlüssel zum loslassen und abschließen. Ich warte nur auf den richtigen Zeitpunkt. Und ich spüre das dieser Zeitpunkt unmittelbar bevor steht, da ich die Stärke in mir spüre und ich lerne auf mein Herz zu hören.

Ich weiß auch das Menschen in meinem Umfeld und ganz besonders in meiner Familie sich große Sorgen machen, ob ich das schon kann, ob ich schon soweit bin, aber ich spüre es und freu mich täglich über all die Unterstützung die mir entgegengebracht wird.Im letzten Jahr habe ich viel im Internet, und auch in Foren recherchiert bzgl. Anzeige von sexuellem Mißbrauch usw. Leider ist es scheinbar noch immer so, das die Straftat, das Verbrechen sexueller Mißbrauch in Deutschland zu Straftaten gehören die verjähren. Schade eigentlich, das die daraus entstehenden Folgen für die erwachsen gewordenen Opfer nicht verjähren und einfach ad acta gelegt werden können- denn wir müssen leider unser Leben lang mit dieser Erfahrung und den seelischen Folgen leben. Genau das wird in den nächsten Tagen mein 1. Schritt sein. Erkundigungen einholen über die Verjährungsfristen von sexuellem Mißbrauch bei der Polizei bzw. KripoHeute ist der 13. Januar 09 und ich habe eine fast schlaflose Nacht hinter mir, da genau dieses Thema heute Nacht wieder da war und in meinem Kopf kreiste. Ich spürte sie wieder, diese Stärke in mir. Und ich weiß nicht warum es plötzlich so wichtig wird für mich, aber ich weiß es ist Teil der Aufarbeitung der zu mir gehört so wie all die vergangenen seelischen Schmerzen, Flashbacks, dissoziative Störungen usw.Ich werde den Mut haben den wichtigen Schritt für mich zu gehen. Und ich weiß es wird irgendwann in den nächsten Tagen soweit sein.

SCHRITT FÜR SCHRITT UND ES WIRD ALLES GUT ÜBERLEGT SEIN:

In den folgenden Zeilen werdet ihr jetzt in nächster zeit verfolgen können, welche Schritte ich gehen werde was in die Richtung Täterkonfrontation geht.

 

 

23. Januar 2009     paragraphen1.jpg 

 

Heute sollte wohl dieser Tag sein, an dem ein Anfang gemacht wird. Ich fuhr in die Stadt zum Wochenendeinkauf. Es war ein Freitag Vormittag. Spontan und kurz entschlossen nahm ich mir vor, zur Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle zu fahren, da ich dachte dies sei die richtige Anlaufstelle für mein Anliegen.Doch leider öffnete niemand die Türe. So nahm ich mein Handy und rief gleich die angegebene Nummer an die man bei Abwesenheit anrufen sollte. So saß ich in meinem Auto und mein Herz klopfte mir in diesem Moment wohl bis zum Hals. Ich wurde direkt mit der Polizeidirektion, mit dem zuständigen Kommisariat verbunden. Ich führte dann fast 60 Minuten ein Telefonat mit einem sehr netten Polizisten. Seine ruhige Art machte mir wohl das Reden sehr leicht. Ich erklärte ihm was ich für Fragen habe, was ich wissen möchte und ob er mir helfen könnte. Und ich muß sagen, er konnte mir gut helfen. Natürlich kann man am Telefon nur bedingt Dinge klären aber dennoch half er mir, das ich wusste es ist richtig was ich tue. Er legte sich auch sehr ins Zeug, wälzte das Strafgesetzbuch und kramte sogar das alte Strafgesetzbuch raus von der damaligen Zeit und suchte und suchte nach Antworten. Er erklärte mir jedoch auch das man das so konkret nicht sagen kann vor allem wegen den Verjährungsfristen usw. da es immer auf die individuelle Tat ankommt, was passierte, wie es passierte usw.

Mit der Zeit merkte er wohl dann doch auch das er ein paar mehr Stichpunkte bräuchte von mir um mehr sagen zu können. Das war in dem Moment auch überhaupt kein Problem für mich. Es wurden auch einige Dinge angesprochen die dann doch ein etwas mulmiges Gefühl in mir hervorriefen oder ich mir dann auch dachte: Na prima, so ein Mist. Aber im Grunde war diese Telefonat ein sehr guter Anfang der mich in meinem Vorhaben nur bestätigte. Der Beamte sagte mir das man die ganze Sache auch nur klären kann wenn ich mich dazu entscheide eine Aussage zu machen. Er möchte mir dann allerdings auch sagen und mich darauf vorbereiten, das wenn ich diesen Schritt gehe mir klar sein muss, das es zur Anzeige kommen kann, auch wenn ich mich doch nicht für den Schritt zur Anzeige entscheide. Grund dafür ist das Beamte einer Sache nachgehen müssen wenn sie der Meinung sind das eine Straftat vorliegt. Aber ich sagte ihm das sei überhaupt kein Problem, deshalb hab ich ja diesen ersten Schritt hiermit getan.Er bot mir nun an, das ich mich mit seiner Kollegin, der Kriminaloberkommisarin Frau M. in Verbindung setzten soll. Sie sei für diese Dinge die beste Ansprechpartnerin und bearbeitet diese Fälle. Er würde sie in Kenntnis darüber setzten das er mit mir telefoniert hat, damit sie auch gleich bescheid weiß. Das freute mich sehr.

Einige Stunden nach dem Telefonat änderten sich meine Gefühle doch ein wenig. Es waren zwar keinen Zweifel, aber irgendwie wurde mir bewusst das ich wieder etwas ins Rollen gebracht habe und zum ersten mal ärgerte ich mich über die Art und Weise wie mit Opfern von Mißbauch laut Gesetz umgegangen wird und sie immer wieder zum Schweigen gezwungen werden durch die Verjährungsfristen. Nie ging mir das so nahe, das lag wohl auch an einigen Aussagen die er getroffen hat, die es sehr gut trafen das, das deutsche Gesetz den Tätern mehr Zuspruch gibt als den Opfern. Aber im laufe des Wochenendes war ich sehr glücklich das ich das gemacht habe, auch wenn es nur ein kleiner Schritt war. Dennoch war ich stolz auf mich.

 

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 28. Januar 2009

 

 

 

Nachdem ich den Montag noch etwas zum nachdenken brauchte und Dienstag auch nicht bei der Kripo angerufen habe, habe ich dies dann am Mittwoch gemacht. Ich rief bei Frau M. an. Sie wartete schon auf meinen Anruf und befürchtete ich würde es mir doch anders überlegen. Wir hatten ein sehr gutes Telefonat. Ich erzählte ihr ein wenig und sie fragte mich einige Dinge. Sie riet mir nochmals zu einer Anzeige. Unabhängig ob die Sache verjährt ist oder nicht. Denn selbst wenn die Angelegenheit verjährt ist, und ich die Anzeige mache dann werden die Namen mindestens für die nächsten 15-20 Jahre im Polizei Computer sein. Diese Aussage gefiel mir sehr gut, denn so hätte ich trotzdem etwas positives erreicht.  

Zum Schutz für andere Kinder oder Frauen.

Frau M. machte mir den Vorschlag für ein Treffen, das ich sie erst mal etwas kennen lernen kann und Vertrauen fassen kann bevor wir die Anzeige machen. Sie sagte sie würde mit mir gerne zum Kaffee trinken gehen, da es für mich wesentlich angenehmer sei als auf dem Polizeirevier. Dieser Vorschlag übrerraschte mich sehr aber gefiel mir auch besonders gut. Wir machten für dieses Treffen einen Termin einige Tage später aus. 

 

 

 

 

 

05.Februar 2009 justizia.jpg

 

 

Heute traf ich mich mit der Kriminaloberkommisarin vor dem Polizeirevier. Sie fuhr mit mir in die Stadt und suchte ein ruhiges Cafe aus in dem wir in Ruhe reden konnten. Wir haben fast 3 Stunden gesprochen. Ich erzählte ihr von meiner Geschichte und den Erfahrungen. Zu Beginn war es etwas komisch da sie die ganze Sache in Details wissen musste. Zumindest einen Teil davon. Aber ich hatte keinerlei Probleme damit ihr das zu erzählen, im Gegenteil es fiel mir sehr leicht zu sprechen und war irgendwie auch befreiend. Sie wollte zu Beginn noch keine Namen wissen. Sie sagte die möchte sie erst wissen wenn ich mir sicher bin das ich das tun will. Das gefiel mir sehr. Sie fragte mich genau wo es passierte und ob ich mich an dieses oder jenes erinnere. Da fiel zum ersten mal so richtig auf wo noch Lücken in meinem Bewusstsein sind. Aber sie sagte das ist ok so. Sie sagte mir das wir sehr sehr viel in der Hand haben wenn es wirklich zu einem Prozess kommen sollte, und sie glaubt mir alles was ich sage. Sie sagte das, weil sie auch schon viele andere Dinge erlebte in ihrer Karriere als Kripobeamtin.

 Zum Schluß gab ich ihr noch die Namen der Täter. Da der „große Mißbrauch“ in Weiden stattfand, also in der selben Stadt, fragte sie mich ob wir anschließend kurz beim Tatort vorbeifahren könnten das sie sich ein Bild machen kann davon. Das war auch sehr komisch das Gefühl genau vor dem Fenster zu stehen wo es passierte. Ich fahre ja immer sehr oft mal vorbei, weil es sich oft nicht vermeiden lässt, und jedesmal denke ich daran. Aber davor zu stehen war ganz anders. Am liebsten wäre ich einfach rein gegangen. Aber wir sind dann wieder gefahren nachdem wir noch einen festen Termin für die Anzeige und meine Vernehmung machten.

 

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19.Februar 2009 

 

Heute war also der Tag. Mir war sehr mulmig im Magen und ich hatte doch etwas Angst. Keine Angst davor den Schritt zu gehen, sondern eher die Angst es könnte mir zuviel werden, ich könnte heulend zusammenbrechen beim erzählen oder ähnliches. Helge, mein Mann fuhr mich dort hin und holte mich auch wieder ab. Sicher war sicher, man kann ja vorher nie wissen wie man sich anschließend fühlt oder in der Lage ist Auto zu fahren, denn das waren eigetnlich meine Ängste.Ich wurde von Frau M. an der Wache abgeholt und wir sind dann in ein Büro gegangen wo die Vernehmung stattfand. Im ersten Moment bin ich etwas erschrocken, da noch eine Frau mit im Raum sein sollte, die die ganze Sache gleich schriftlich in den PC eingab. Aber das war dann doch ok für mich. Nachdem wir uns alle mit Kaffee und Getränken versorgt hatten legten wir los. Frau M. erklärte mir kurz den Ablauf und sagte mir ich solle einfach drauf losreden was mir einfällt, sie würde dann zwischendrin auch immer wieder Fragen stellen. So machten wir dies dann auch.

 Ich begann erst unsicher und langsam zu erzählen, aber spürte dabei wie gut es tat dies alles an dieser Stelle zu erzählen. Es war ein anderes Gefühl als in der Therapie oder wenn ich es zuhause oder Freunden erzählt habe. Bereits während des erzählens kamen so viele dinge hervor und kleine Details die mir urplötzlich einfielen. Und ich erzählte und erzählte. Oft geschah es dann das Frau M. mich genau nach Details fragte. Ich musste genau beschreiben wie der Mißbrauch geschah, was er genau getan hat, wie er es getan hat, musste die Wohnung und das Zimmer beschreiben, was mir zum Teil sehr gut möglich war. Und es war auch kein Problem wenn Dinge dabei waren, an die ich mich einfach nicht erinnern konnte, zb. Das ich das Zimmer zB. nur ohne Möbel beschreiben konnte, ich wusste zwar genau wie das Zimmer aufgeteilt war, sah das fenster und das Bett aber mehr nicht. Das sind oft die Kleinigkeiten die in meinem Bewusstsein noch fehlen. Aber oft passierte es auch das viele dieser Dinge urplötzlich während des Erzählens plötzlich da waren. Und immer wieder war ich erstaunt wie gelassen ich dies alles machte und erzählte. Es tat einfach sichtlich gut und gab mir unheimliche Kraft weiterzumachen. Wir dachten eigetnlich gegen Mittag fertig zu sein. Wir rechnetet mit ca. 3 Stunden. Aus diesen 3 Stunden wurden dann jedoch 5 Stunden. Es war eine lange Zeit die jedoch auch sehr schnell vorbei war wenn ich so drüber nachdenke. Ich hatte nur 2 mal eine schwere Zeit dabei. Einmal beim Erzählen einer Mißbrauchssituation rutschte ich in einen kleinen Flashback den ich körperlich an meiner Hand wahrnahm. Das war sehr schrecklich und unangehnem und ich begann für einige Sekunden zurück in die Vergangenheit  zu gehen. Aber da kam ich auch ganz schnell wieder alleine raus ohne das es groß jemand mitbekommen hat. Das freute mich natürlich. Lag wohl auch daran das man einfach weitererzählen musste und deshalb mit etwas neuem beschäftigt war.

Dann gab es noch 2 Situationen wo die Tränen mal kurzzeitig geflossen sind. Beim einen ging es um jemanden aus meiner Jugendzeit, der ein sehr wichtiger Mensch für mich war damals, weil er mir sehr viel Ehrlichkeit und Freundschaft beigebracht hat. Damals kam es zu einer unangehnemen Situation zwischen uns beiden die durch den Mißbrauch ausgelöst wurde, der 1 Jahr vorher geschah. Zum damaligen Zeitpunkt war die allerdings für niemanden nachvollziehbar und diese Person hat sich große Vorwürfe gemacht. Das kam in der Vernehmung so ziemlich gefühlsmäßig nach oben, dies ist auch eine Geschichte die ich noch aufarbeiten werde und wohl noch etwas Zeit benötigen wird.

Die andere Situation war zum Schluß. Hierbei ging es darum das ich erzählen sollte warum ich diese Anzeige machen will. Ich erklärte dies und kam dann zum Sprechen auf meinen Mann Helge. Dabei kamen schon die Tränen sehr stark. Ich begann zu erzählen was er durch all die Aufarbeitung alles erleben musste, wie stark er immer wieder gewesen ist und wie er immer wieder hinter mir stand, obwohl ich ihn immer wieder verletzte, wenn auch unbewusst, als ich so im erzählen war, tat mir das einfach alles so sehr leid das meine Familie, auch meine Kinder unter der Situation so leiden mussten und teilweise auch heute noch. Dies war sehr schwer für mich. Aber genau diese Folgen wurden ebenfalls in das Protokoll mit aufgenommen, das sie laut Aussage von Frau M. sehr wichtig seien. Es sind einfach nicht nur die Situationen von damals die hier wichtig sind, sondern ebenfalls alles was sich daraus entwickelt hat in meinem Leben, wie mein seelischer Zustand immer wieder gewesen ist, wie die Verdrängung immer wieder Scmerzen hervorgerufen hat usw. So viele Dinge sind hier wichtig wo ich eigetnlich nie gedacht hätte.

Zum Schluß wurde das gesamte Protokoll ausgedruckt und ich las es mir nochmals durch. Es war sehr faszinierend was hier dabei noch geschah. Mir wurde plötzlich etwas bewusst was meinen 14. Geburtstag betraf. Die Art und Weise meines Stiefvaters: Mir war plötzlich klar, mit diesem Geburtstag wollte er mich ruhig halten. Das ich nichts sage über das was kurz vorher passierte, nämlich der Große Mißbrauch. Ich war total baff und auch irgendwie sauer und wütend. Konnte das kaum glauben. Und das kam nur hervor weil ich dieses Protokoll gelesen habe. So habe ich wieder eine Antwort erhalten mit der ich ein Thema abschließen konnte.

In 5 Stunden Vernehmung auf der Kriminalpolzei wurde ein 15-seitiges Protokoll erstellt. Ein Protokoll über sexuellen Mißbrauch, ein Protokoll über Gewalt und Mißhandlungen und ein Protokoll über seelische Schmerzen. Und ich fühlte mich gut dabei.Ich ging aus der Polizei raus, mit einem Lächeln im Gesicht und fühlte mich in gewisser Weise ein wenig Frei. Ich habe es tatsächlich geschafft, und hätte mir das noch jemand vor 2 Monaten gesagt, dem hätt ich wohl einen Vogel gezeigt. Der Schritt dahin ging sehr schnell.Nun heißt es warten- und sehen was kommt! 

 

Warum eine Anzeige nach all den Jahren?

Ich tue das für mich und meinen inneren Frieden. Es soll eine Art Abschluß sein, ein loslassen. Ich möchte ein Zeichen setzen unter anderem für mich aber auch für die beiden Täter. Ich will ihnen damit zeigen, das sie zu weit gegangen sind, ihnen zeigen das ich weiß was sie getan haben, ihnen bewusst machen was sie getan haben und das ich dieses mal die Stärke habe zu sagen :

 

NEIN, nicht mit mir!!!!! Nie wieder!!!!! Ich habe nichts falsch gemacht!!!

 

 

 

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               02.April 2009 

 

 

 

Noch habe ich nichts gehört, mittlerweile habe ich herausgefunden wo mein Stiefvater sich aufhält. Ich habe irgendwann bei seinen Eltern angerufen, da ich noch wusste wo sie wohnen. Er wohnt nur 30 km weg von uns und ich habe die Adresse und alles herausbekommen und an die Polzei weitergegeben, die sie jedoch auch gefunden hatten.Den 2. Täter konnte ich jedoch noch nicht ausfindig machen. Allerdings gibt es jemanden der Kontakt zu ihm hat, diesen versuche ich bei Gelegeheit zu finden. Ich hatte ihn zu Weihnachten mal zufällig getroffen und da sagte er mir das er Kontakt hat. Also ist auch das herauszufinden. Aber ich werde geduldig sein jetzt was da kommt und wie es sich entwickelt die ganze Sache. 

 

August 2009

Jetzt sind wieder einige Monate vergangen. Aber es hat sich einiges getan. Meine Mutter hatte bereits ihre Zeugenvernehmung. Naja, sie hat natürlich gesagt sie hätte nichts mitbekommen, wobei meine Erinnerungen mir hier etwas anderes sagen, aber egal. Die Kripobeamtin hat sich ihr eigenes Bild gemacht von dieser Vernehmung. Es ging hauptsächlich um meine Mutter und ihre Geschichte mit meinem Stiefvater, also all die Schläge und was so alles passiert ist. Aber auf mich ist sie nicht groß eingegangen hab ich erfahren, aber das dachte ich mir schon von vorneherein.

Unter anderem hatte auch die damals beste Freundin meiner Mutter ihre Zeugenvernehmung da sie ebenfalls viel über meinen Stiefvater sagen konnte.

Ja und die Wichtigste Zeugenvernehmung war wohl die, das mein Stiefvater mit dem konfrontiert wurde was ich zur Anzeige brachte. Die Kripobeamtin erzählte mir seine Reaktion und wie er sich verhielt. Natürlich stritt er die ganzen sachen ab, aber er hörte sich sehr interessant die Vorwürfe an und fragte auch des öfteren nach. Ich bin mir sicher der Kerl weiß ganz genau was Sache ist. Ich bin wirklich gespannt wie es weitergeht. Die Kripo machte ihm noch deutlich das er sich in jedem fall von mir und meiner familie fernhalten muss.
Nun warte ich auf die nächsten Schritte.

 

April 2010

 

Meine Akte wurde an die Staatsanwaltschaft übergeben!!

 

20.Mai 2010

 

Heute bekam ich Post von der Staatsanwaltschaft. Aber was ich da lesen durfte gefiel mir nicht. Es war nicht  positiv. Die Ermittlungen gegen meinen Stiefvater und dem Bekannten wurden eingestellt mit folgender Begründung:

In 2 Fällen durch meinen Stiefvater handelt es sich um schweren sexuellen Mißbrauch. Laut der heutigen Gesetzgebung ist die Verjährungsfrist hier 20 Jahre und ich wäre noch in dieser Frist. Allerdings gilt in diesem Fall die Gesetzgebung zum Zeitpunkt der Tat und da war die Verjährungsfrist nur 10 Jahre. Nun ist die ganze Sache doch nach 10 Jahren verjährt, nur weil es damals so im Gesetz stand. Das verstehe ich irgendwie nicht so ganz, denn es müsste doch das aktuelle Gesetzt gelten wenn ich Anzeige mache. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Ich habe jetzt Termin bei meiner Anwältin und wir werden sehen was wir tun können. Der  Mißbrauch durch den Bekannten ist ebenfalls nach 10 Jahren verjährt. Ich sag nur tolle Gesetzgebung. Bin mal gespannt ob irgendwann auch mal an die Opfer gedacht wird. Die Täter können sich so nur in Sicherheit wiegen. Aber mir ist wichtig das sie zur Vernehmung bei der Polizei waren und meinen Schritt ertragen mussten mit all den Vorwürfen. Aber anders wäre es mir doch lieber gewesen!


Februar 2012 

 

Nachdem das Verfahren gegen meinen Stiefvater und den bekannten eingestellt wurde, war die Enttäuschung nicht allzu groß, denn ich hatte ja mit diesem Ergebnis gerechnet, da ich mich schon eine ganze zeit lang mit den Verjährungsfristen auseinandergesetzt habe. 

Natürlich muss ich zugeben dass ich erst einmal wütend war auf unsere Gesetzgebung , auf die beiden Täter, da sie nun einfach so ihr leben weiterleben können als sei nie etwas passiert. Aber nach einiger Zeit war dies ok für mich. ich begann das positive daran zu sehen. Denn das wichtigste für mich bei diesem Schritt war:

Beide Täter mussten sich dem Geschehen stellen. Sie mussten den Termin auf der Kripo  wahr nehmen, mussten sich all die Vorwürfe anhören und das im Detail. Diesen Termin auch ihren Familien erklären.

Natürlich stritten beide die Vorwürfe ab. Der "Bekannte" Täter schien vollkommen geschockt gewesen zu sein. Ihm glaube ich sogar das er sich nicht daran erinnerte. denn er war damals sehr alkoholisiert. Was mir aber ja nichts nützte. Heute 2 Jahre nach der Anzeige kann ich sogar voller Stolz sagen:

Ich habe Herrn H.- dem 2. Täter verziehen was er mir im Vollrausch angetan hat. Vergessen kann ich es nie aber verzeihen. Aber dies zu erreichen bedeutete eine menge an therapeutischer Arbeit und eigene Stärke und Mut und Kraft. Ich schaffte es!!!

 

Zu meinem Stiefvater kann ich nur sagen:

Du tust mir einfach nur leid!

Auch er hat bei der Kripo alles abgestritten aber laut Aussage von der Kripobeamtin hat er sich die Vorwürfe voller Neugierde angehört. Die Beamtin beschrieb meinen Stiefvater genau so wie ich ihn in Erinnerung hatte.

Ich habe vieles was er mir angetan hat bereits verarbeitet aber noch häufig leide ich unter Flashbacks da der Missbrauch zu schwer war.
Die Anzeige war es mir dennoch wert und ich bin stolz und glücklich das ich dies geschafft habe.