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Aufarbeitung 2008

                                      

 meine Aufarbeitung 2008

Seit ich den 1. Teil meiner Aufarbeitung beschrieben habe, ist mittlerweile sehr viel Zeit vergangen und es ist in dieser Zeit sehr viel passiert und vieles hat sich verändert.

Zuerst dachte ich mir, ich lösche den ersten Teil und beschreibe den jetzigen Stand, aber mir ist wichtig, das man erkennen kann wie alles begann und wie es verläuft wenn man sexuellen Mißbrauch aufarbeitet, wie man sich selber verändert, wie sich die Seele verändert und wie man lernt zu akzeptieren.

 

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Der Weg zur Heilung ist schwer

und diesen will ich von Beginn bis zum Ende dokumentieren, um zu zeigen das man es schaffen kann, das jeder Mensch die Stärke besitzt sich mit vergangenem auseinanderzusetzen wenn er damit begonnen hat, auch wenn man in vielen Momenten selbst nicht daran glaubt. 

 

 

Einen Anfang zu finden, um meinen Weg weiter zu beschreiben fällt mir doch schwerer als ich dachte. Denn seit ich den 1. Teil meiner Aufarbeitung geschrieben habe sind bereits 9 Monate voller weiterer neuer Erinnerungen, neuen Erlebnissen in meiner Therapie, vielen weiteren Tränen und seelischen Zusammenbrüchen, aber auch vielen positiven  Veränderungen die mich mehr und mehr gesund werden lassen.

 

Im 1. Teil  ging es ja eher um die Anfangszeit der verdrängten Erinnerungen. Im Laufe der Monate gab mein Unterbewusstsein mehr und mehr Erinnerungen und Erlebnisse frei, die ich einfach aus meinem Gedächtnis gestrichen hatte als Kind. Es damals zuzulassen wäre wohl für die kleine Kinderseele zuviel und zu schmerzhaft gewesen.

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Nach den ersten Erinnerungen, die mich doch ganz schön aus der Bahn geworfen hatten, habe ich begonnen Bücher zu lesen. Ich wollte so vieles wissen, ich wollte wissen ob das erlebte „normale“ Folgen von sexuellem Missbrauch sind oder ob ich doch beginne verrückt zu werden. Aber je mehr ich las umso mehr habe ich erfahren, das alles was ich erlebe und durchmache ein normaler Aufarbeitungsprozess ist der unumgänglich ist .Angefangen habe ich mit Selbsthilfebüchern die mir unheimlich viel Informationen vermittelten. Ich war nie ein großer Leser, aber zu dieser Zeit habe ich die Bücher nur so verschlungen. Ich las Bücher über Erfahrungsgeschichten und Frauen die ihre ganz persönliche Geschichte von Missbrauch in der Kindheit erzählen. Ich selbst fand mich in all den Geschichten wieder. Ich dachte eine ganze Zeit lang, es würde mir weiterhelfen, ich wusste ich bin nicht alleine auf der Welt mit diesem Schicksal. Nach einer gewissen Zeit hatte ich alle Bücher gelesen und habe mir dann bei Amazon 5 neue Bücher gekauft. Ich konnte einfach nicht genug davon bekommen all diese Bücher zu lesen. Aber nach und nach bemerkte ich eine Veränderung an mir. Ich spürte das es mir eigentlich nicht gut tat, diese Bücher zu lesen. Aber ich konnte nicht aufhören damit. Es war wie ein Drang, mich selbst zu quälen. Unbewusst habe ich immer wieder dafür gesorgt, das es mir schlecht ging. Mein Unterbewusstsein hat es nicht zugelassen das ich glücklich bin. 

Dann kam ein Morgen an dem ich zu meiner Therapiestunde gefahren bin, und die etwas veränderte in mir. Ich erzählte meinem Therapeuten davon, wie ich nicht aufhören kann diese Bücher zu lesen, obwohl sie mir nicht gut tun. Während des erzählens kam immer mehr meine eigene Geschichte hoch. Ich weinte und kämpfte sehr an diesem Morgen. Durch die Psychokinesiologie bekam ich einige Antworten darauf warum das Unterbewusstsein solche Dinge tut, und es machte alles einen Sinn. Aber da zeigte sich dieser eine Fehler. Ich würde es nicht mal als Fehler bezeichnen, es war eher ein Lernprozess für mich den ich wohl durchlaufen musste. Mein Therapeut erklärte mir auf einfache Weise wie ich mich durch jedes Buch und durch jede Geschichte die ich lese immer wieder selbst retraumatisiere. Ich hole also dadurch mein eigenes Kindheitstrauma nach oben, das noch nicht verarbeitet ist. Das war mir nie bewusst, und es dauerte auch noch eine zeit bis ich das wirklich so richtig verstand. Durch die folgende Prana- Behandlung- die all die großen Erfolge bei mir bringt- ist es tatsächlich soweit gekommen das ich seit diesem Morgen keines mehr der Bücher in die Hand genommen habe. Nicht einmal die Bücher die ich einige tage zuvor erst noch kaufte. Sie stehen heute noch ungelesen im Regal. Aber es war nicht weil mein Therapeut mir das sagte, sondern einfach weil ich von heute auf morgen nicht mehr das Bedürfnis hatte sie zu lesen.

 Meine Therapiestunden verliefen zu dieser zeit noch immer recht emotionell. Immer wieder kamen verdrängte Erinnerungen vom Missbrauch nach oben. Ich erlebte immer wieder Flashbacks die mich immer und immer wieder in ein tiefes Loch gerissen haben, aber ich merkte auch wie sie weniger wurden. Die Heftigkeit der Flashbacks blieb, aber die Häufigkeit ging zurück. Je mehr Zeit verging umso besser habe ich die Zusammenhänge verstanden und kam irgendwann an den Punkt wo ich wusste, es muss so sein. Ich muss diese Dinge erneut erleben, ich muss meine Vergangenheit noch einmal durchleben. Ich muss die Gefühle zulassen, denn sonst werde ich nie gesund werden.

berwis_nachdenklich2.jpgIch habe sie 25 Jahre verdrängt und es hat mich mehr und mehr krank gemacht. Immer wieder passierte es in den Monaten, das ich durch klitzekleine Auslöser getriggert wurde. Es reichte oft irgendein Bild am Fernseh, oder die Reaktion eines Menschen, die Geste oder Bewegung eines anderen, eine Aussage oder ein einzelnes Wort und ich hatte die Bilder vor meinen Augen. Ich sah den Missbrauch vor mir, sah „ihn“ vor mir und spürte seine Anwesenheit und den Schmerz. Zu dieser Zeit wurde ich auch ganz viel getriggert wenn ich schöne Momente mit meinem Mann teilte, was für mich immer das schrecklichste überhaupt war. Die Frage Warum das passiert in den Momenten beschäftigte mich dauerhaft. Die Vorwürfe an mich selbst, das mein Mann das immer und immer wieder ertragen muss, ließen mich immer wieder weinend zusammen brechen. Er wollte einfach nur lieb sein, da war es wieder da, der körperliche Schmerz von damals und auch der seelische Schmerz, die Angst, das Zittern und die Angst vor der Gewalt und den Worten. Ich war zurückversetzt in die Vergangenheit. Die Gegenwart vermischte sich mit der Vergangenheit und ich erkannte in diesen Momenten den Unterschied nicht mehr.

 Immer wieder brachte mein Mann die Stärke auf, für mich da zu sein, mich zu halten, mit mir zu sprechen, mir klar zu machen das ich in Sicherheit bin, das mir niemand mehr weh tun wird und kann. Er half mir immer wieder auf die Beine zu kommen, war mit seinen tröstenden Worten und Gesten immer für mich da und unterdrückte dabei seine seelischen Schmerzen. Denn es muß die Hölle für den Partner sein, wenn er seine Frau so leiden sieht und hilflos daneben steht und zusehen muß. Und wenn man es ganz krass ausdrücken soll, habe ich den allerliebsten Menschen in solchen Situationen mit dem „Täter“ verwechselt. Und was das für ihn bedeutet hat kann man sich nur vorstellen wenn man selbst so etwas erlebt. Aber er hat es immer wieder geschafft, durch diese Zeit zu gehen. Und dafür reicht kein Danke aus.

 Die erste spürbare Veränderung bemerkte ich deutlich im August 07. Zum ersten mal spürte ich eine Begegnung mit meinem inneren Kind. Ich begann plötzlich Gedichte zu schreiben, die sich inhaltlich sehr veränderten, man konnte deutlich etwas Hoffnung herauslesen aus meinen Worten. Ich beschäftige mich immer mehr mit der kleinen Nicole von damals und begann zu aktzeptieren das sie da war und sich meldete- mehr dazu schriebe ich im Bereich das inner Kind!!!! Vieles veränderte sich ins positive und ich hatte immer öfters Momente wo ich mich einfach glücklich fühlte und das Gefühl hatte, alles wird gut. Ich glaubte an meine Stärke und die Stärke meiner kleinen Familie. Ich konnte immer besser mit neuen Erinnerungen umgehen. Verdrängte Erinnerungen an zusätzliche Gewalt und Schläge in der Kindheit konnte ich gut verarbeiten.

 Meißt kamen die Erinnerungen in der Therapie hoch und die Verarbeitung geschah dann meist in meinen Träumen oder nachts in Wachzuständen wo ich zurückversetzt wurde in die Gewaltsituation. dpp_52072.jpg

Im November 07 kam ein erneuter Rückschlag für mich. Es war die zeit wo sich mein großer Zusammenbruch und das furchtbare Erreigniss jährte was ich meinem Mann angetan hatte. Meine Selbstvorwürfe, mein Selbsthass und meine Selbstaufgabe ließen mich sehr oft verzweifeln. Oft konnte ich meinem Mann nicht in die Augen sehen, sah nur noch den Schmerz den ich ihm angetan habe und auch indirekt meinen Kindern damit. Und wieder war er derjenige der mich aufgefangen hat, der mir versuchte klar zu machen das wir nichts rückgängig machen können, das wir einen Weg finden müssen damit klar zu kommen. Er arbeitete ebenso an dieser Sache wie ich, und wir haben gemeinsam so vieles geschafft, weil wir zusammengehalten haben und er so viel Stärke in sich trägt. Darüber bin ich so unendlich glücklich. Mein Mann und mein Therapeut gaben mir immer wieder Kraft niemals aufzugeben, immer wieder Schritt für Schritt weiterzugehen, mir klar zu machen, hinfallen ist in Ordnung solange man im Anschluss danach wieder aufsteht und weiter geht. 

Es begann ein neues Jahr und ich blickte dem mit positiven Gedanken entgegen. In meiner Arbeit geschah wieder eine große Veränderung die mich unendlich glücklich machte, das mir zeigte es geschehen immer wieder positive Dinge und alles ergibt sich so wie es sein soll im Leben, aus welchen gründen auch immer, denn an Zufälle glaube ich seit Monaten nicht mehr. Alles was in unserem Leben geschieht hat einen bestimmten Grund und einen Sinn, und sei es nur eine Lernaufgabe fürs Leben. An dieser Stelle sage ich auch Danke an eine bestimmte Person in meiner Arbeit, die trotz aller Hindernisse hinter mir stand und mir das auch zeigte und spüren ließ. Ich arbeitete ganz bewusst in dieser Zeit auf meinen Geburtstag hin im Februar. Das sollte für mich ein besonderer tag sein. Ich weiß nicht, aber mich ließen die Worte meiner Atemtherapeutin nicht los die sie mir letztes jahr sagte. Sie sagte mir, an meinem 35. Geburtstag wird sich für mich alles zum positiven wenden. Denn alle 7 Jahre im Leben eines Menschen geschieht eine große Veränderung und das eigene Bewusstsein ändert sich. Ich wusste zwar nicht wie das gemeint war, aber ich hoffte und freute mich darauf. 

Mein Geburtstag kam, aber ich spürte nichts von einer Veränderung. Im Gegenteil, mir ging es für ein paar Wochen nicht besonders gut. Neue Erinnerungen machten sich breit, die jedoch nichts mit dem Missbrauch zu tun hatten sondern aus einer Zeit wo ich noch sehr klein war. Eine Zeit wo meine Eltern noch zusammen waren. Ich habe jedoch die seelischen Schmerzen dieser Zeit ebenso verdrängt wie den Missbrauch. Auch dieses mal kam die Erinnerung in abgeschwächter Form in einer meiner Therapiestunden hervor. Ich sah mich einfach nur als kleines Mädchen, mit diesem lila T-Shirt am Boden sitzen und lachte herzhaft. Es vergingen ein paar Minuten und plötzlich tat es weh, sehr weh. Ich spürte Schmerz und Angst. Wir haben aber nicht weiter daran gearbeitet, es war einfach nicht der richtige Zeitpunkt. In den nächsten Nächten habe ich erfahren warum. Das verdrängte kam an die Oberfläche. In Wachzuständen erlebte ich die Situation noch einmal. Aber es war anders als die Monate zuvor. Ich ging anders damit um im nachhinein. Ich spürte sogar eine Dankbarkeit weil ich wusste nun wird es wieder ein Stück besser und wieder wurde etwas aufgearbeitet. Ich spürte nicht einmal Hass, im Gegenteil. Es war zwar immer wieder dieses Warum da, warum ist das passiert, ich war doch noch so klein, aber ich lernte das es auf die Frage nach dem warum niemals eine Antwort geben wird, und es auch nicht wichtig ist. Denn rückgängig kann man die Dinge eh nicht mehr machen die passierten, aber ich kann lernen sie zu akzeptieren. Das sie Teil meines Lebens sind.

Ich spürte wie der Hass allmählich aus meiner Seele verschwindet und ich beginne loszulassen von meiner Vergangenheit. Es waren noch einmal ein paar heftige Wochen die ich erlebte, wo ich oft meiner Familie gegenüber recht unfair war, wenn ich so viel mit mir beschäftigt war und mich zu sehr auf das negative aus meiner Vergangenheit konzentrierte weil ich einfach nicht loslassen wollte und konnte. Immer und immer wieder fiel ich in die Opferrolle des kleinen Mädchens, was mich immer wieder in meinem Vorhaben, endlich gesund zu werden, bremste. Mein Mann hat mir oft immer wieder die Augen geöffnet, und das manchmal auch mit harten Worten, die ich zu diesem Zeitpunkt auch immer wieder brauchte um es mir ins Bewusstsein zu holen. Eine zeitlang, gerade in den letzten Wochen, passierte es mir sehr oft das ich in schlechten Momenten das Gefühl hatte ich schaffe es alleine nicht. Ich hatte Angst ich werde alleine gelassen, obwohl es keinen Grund dafür gab. Ich redete mir ein ich schaffe es nur mit meinem Mann und meinem Therapeuten. Ich wollte um Hilfe schreien weil ich nicht an mich glaubte. Dabei steckte es seit langer Zeit in mir und steckt noch immer in mir. 

Die Kraft steckt in mir und der Glaube an ein neues leben!!!!

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 Es ist jetzt März 2008, ich bin 35 Jahre alt, und denke an die Worte meiner Atemtherapeutin die mir vor einem Jahr sagte mit 35 wird sich dein leben verändern. Ich hatte ja keine Ahnung. Mein Leben hat sich verändert und verändert sich. Und das letzte Wochenende der 08.-09. März 2008 hat mein Bewusstsein in eine völlig neue Bahn gelenkt, was ich niemals zu hoffen gewagt habe. Mehr dazu kommt aber in Kürze in einem extra Bereich. 

An dieser Stelle verdienen zwei ganz besondere Menschen meinen Dank, zwei Menschen die Gott mir ins Leben schickte, um diesen schweren Weg zu bewältigen, zwei Menschen die mir zeigten wie wichtig Liebe im Leben ist, wie wichtig Vergebung und loslassen ist, zwei Menschen die mich aufgefangen haben wenn mich der Mut verlassen hat. 

Einer der Menschen ist mein Mann Helge, der mich einfach so liebt wie ich bin, bei dem ich sein darf wie ich bin, der mich für meine Fehler niemals verurteilt hat, der mir zeigte was es heißt zu vertrauen, ehrlich zu sein, zu anderen und zu sich selbst. Ein Mensch der mir zeigte das man mit Liebe alles erreichen kann was man will und was man sich wünscht.

 Der andere Mensch ist mein Therapeut. Eigentlich hasse ich das Wort Therapeut seit Monaten schon. Denn es ist sehr sehr unpassend und bereitete mir immer Magenschmerzen. Heute weiß ich es ist nicht mein Therapeut, es ist mein Lehrer. Mein Lehrer der mich lehrt, wie ich selbst für mich sorgen kann, der mich lehrt wie ich aufmerksam mit mir umgehe, wie ich das Leben zulassen kann, und der mich lehrt das richtige zu tun. Nämlich mich selbst zu lieben und zu akzeptieren. 

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Ich danke euch in vollem Vertrauen

für das was ihr mir gebt!!!