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Aufarbeitung2007

Meine Aufarbeitung!!!

Ich nenne es auch "Meine Heilung"


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Dieser Bereich wird unheimlich schwer zu beschreiben sein, denn es ist ungeheuer viel passiert während meiner Aufarbeitung was man sich nicht vorstellen kann wenn man es nicht selber erlebt hat. Man kann es in Worten nicht ausdrücken welche Gefühle hier ausbrechen, was man durchmacht. Da ich schon ein großes Stück vorangekommen bin in meiner Aufarbeitung der Geschichte fällt es mir etwas leichter darüber zu schreiben. Viele Dinge die ich beschreibe sind nicht mehr aktuell, aber es waren aktuelle Ereignisse die ich durchlebt habe in den letzten Monaten.

Mein Arzt sagte zu mir einmal:

"Sie haben die Schublade der Erinnerungen jetzt geöffnet, ab hier gibt es kein zurück mehr, Sie müßen da jetzt durch egal wie schwer es ist. Nur so wird es Ihnen eines Tages besser gehen!"
Das ist irgendwie hängen geblieben bei mir- denn es steckt einfach nur Wahrheit drin.


Ebenso hat mir mein Therapeut ein Beispiel gesagt um es besser zu vestehen was die letzten Monate bei mir passiert ist.
"Du mußt dir dein Bewusstsein vorstellen wie einen Vulkan. All die Jahre ist das "heiße Lava" in deinem Unterbewusstsein so vor sich hingebrodelt wie in einem Vulkan. Irgendwann ist es dann soweit. Bei mir war es im Dezember 06. Der Vulkan bricht aus und die Lava beginnt zu fließen"
Man kann sie nicht aufhalten, muß sich durchkämpfen bis zum Schluß. Und hier steh ich nun, manchmal wie in einem Kampf gegen meine Vergangenheit und manchmal mit der positiven Energie in mir, die mir sagt alles wird gut! Es ist ein Wechselbad der Gefühle!!!

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Die Zeit vor der Erinnerung: 

Es war mir einfach immer ein Rätsel wo meine immer wiederkehrenden Depressionen herkamen, die Angstzustände die mich an manchen Tagen überfielen und mich lähmten. Körperliche Symptome  ließen mich immer wieder alle möglichen Ärzte aufsuchen. Aber herrausgekommen ist nie etwas. Oft mußte ich mir anhören, das sei "nur" psychisch. Oft ging ich nachhause und dachte mir, was soll das! Ich hatte dieses Gefühl in mir, da ist irgendwas und niemand hilft mir. All die Jahre hatte ich dieses Gefühl nicht losbekommen. Ich wusste da gibt es irgendwas, was ich nicht weiß, irgendwas stimmt nicht mit mir, und ich war mir so sicher, und erst wenn ich das weiß dann wird es besser werden. Ich kann es nicht beschreiben. Und ich hatte recht mit diesem Gefühl. Das wurde mir bestätigt ,nach dem völlig unerwartet die ersten Erinnerungen an den sexuellen Mißbrauch kamen. In dem Buch "Nicht Allein" steht folgendes was zutreffend ist: " Wenn Du beispielsweise denkst, "da stimmt was nicht" dann glaube dir, auch wenn du das Gefühl nicht begründen kannst. Du hast als Überlebende ein besonders ausgeprägtes Früh-Warnsystem, dem du vertrauen kannst. In den meisten Fällen wirst du später erfahren, weshalb du ablehnend warst. Genau das sagte mir mein Therapeut auch immer. Ich darf auf mein Gefühl vertrauen in jeder Hinsicht.

Erinnerungen kehren zurück

Die erste Erinnerung kam zurück während eines Eishockeyspieles meine Sohnes. Ich saß einfach da auf der Tribüne und hatte plötzlich dieses Bild im Kopf. Es war nicht nur das Bild, es war als war ich in diesem Moment in dieser Situation, das Gefühl war beängstigend, ich begann zu zittern, kämpfte mit Tränen die niemand sehen durfte. Es war so fremd und trotzdem wusste ich genauso war es damals als ich 9 Jahre alt war. Ich kämpfte mich durch bis zur Siegerehrung der Kids und verkroch mich im Anschluß in eine Ecke und weinte. Später kam mein Mann zu mir und ich erzählte ihm davon. Er nahm mich in den Arm und beruhigte mich. Das war der Beginn von allem. Es sollte aber nicht alles gewesen sein. 2 Tage vor Weihnachten 2006 besuchte ich meinen jetzigen Therapeuten zum ersten mal. Bei ihm bekam ich notfallmäßig sofort einen Termin. Ich fühlte mich von Anfang an so wohl das ich mich entschloß meine Therapie bei ihm weiterzuführen. Von Dezember bis Februar war es besonders schlimm mit den Erinnerungen. Es kehrte so vieles zurück. Aber nicht die Erinnerungen waren das Übel, sondern ich konnte nicht damit umgehen. Es war zu furchtbar. Der Umgang mit den Bildern des Mißbrauchs, ich konnte oft nichts anfangen damit, ich sah ein Bild oder eine Situation vor mir und wusste nicht was das soll. Da waren die Zweifel, die Angst und diese schrecklichen Gefühle. Die Erinnerungen kehrten in Form von Bildern, oder auch wie in einem Kopfkino zurück. Mein Unterbewusstsein begann sie langsam eines fürs andere freizugeben. Immer nur soviel wie ich ertragen konnte. Am Anfang (manchmal auch jetzt noch) war ich sehr sehr ungeduldig und wollte alles auf einmal wissen. ich redete mir ein, es darf mir nicht gut gehen, denn sonst kommen sie nicht zurück die Erinnerungen. Aber ich merkte nicht wie falsch das war und wie sehr ich mich damit unter Druck setzte und alles noch schlimmer machte. Ich war unfähig mit all dem umzugehen. Ein Zusammenbruch folgte auf den anderen, selbstverletzendes Verhalten war einige male für mich der einzige Weg das zu ertragen. Im laufe der Zeit lernte ich durch die Therapie und meinen Mann Helge, alles langsam anzugehen, geduldig zu sein. Die Erinnerungen kommen immer dann wenn man am wenigsten damit rechnet, die Erfahrung habe ich gemacht.
 Seit dem Tag als ich angefangen habe über den Mißbrauch zu reden ist nichts mehr wie es war, in meinem Leben brach das absolute Chaos aus. Es war manchmal so unerträglich das ich mir gewünscht habe nachts einzuschlafen und nie wieder aufzuwachen. Gerade die erste Zeit hielten mich diese Gefühle und die ewige Traurigkeit über wochenlang fest und ich konnte nicht raus aus diesen Gefühlen. Meine Familie mußte unheimlich darunter leiden. Aber nach jedem Absturz, nach jedem Fall, bin ich immer wieder aufgestanden, da mir meine Familie die Liebe entgegenbrachte die so gut tat. In einem Buch habe ich einen schönen Satz gelesen den ich mir irgenwie sehr zu Herzen nehme:

"Doch ich will leben! Ich will irgendwann nicht nur überleben, sondern leben!"


In der Zwischenzeit werden die positiven Abschnitte in meinem Leben immer häufiger und halten auch länger an als noch vor ein paar Monaten. Meine Geschichte beginnt sich zusammenzusetzten wie ein Puzzle. Ja sogar wie ein Film den ich vor mir sehe. Dadurch kann ich teilweise "komische und unverständliche" Verhaltensweisen von mir irgendwie verstehen. Manchmal gelingt es mir sogar das mich Erinnerungen  nicht mehr so arg in Panik versetzen( kann aber immer noch vorkommen). Meistens kommen die Erinnerungen in Ruhephasen oder während meiner Therapie auf. Mein Therapeut holt oft ganz bewusst Erinnerungen in mir hoch. Er weiß genau wie weit er gehen kann und wieviel ich ertragen kann im jetzigen Augenblick. Breche ich in Tränen aus, was sehr oft passiert wenn wir an dem Thema arbeiten, dann schafft er es mit ganz einfachen dingen und Übungen mich zu beruhigen und ins hier und jetzt zurückzubringen. Oft war oder ist es mir nicht möglich das ich es alleine schaffe aus solchen Situationen zu kommen, da überkommen mich die Gefühle, es muß so sein, ich darf nicht glücklich sein, ich habe das alles verdient. Was natürlich vollkommener quatsch ist. Manchmal war es so schlimm, das ich nur noch in der Vergangenheit gelebt habe, ich war besessen davon alles zu wissen aber konnte es nicht ändern. Ich fühlte mich dadurch so schlecht das ich oft Angst hatte es wird nie wieder besser. Da gab es Phasen wo ich nur noch von früh bis spät an den Mißbrauch dachte und ich konnte mich auf nichts anderes konzentrieren. Es schlich sich immer wieder das Gefühl ein verrückt zu werden. Aber ich weiß es ist ein normaler Teil der Aufarbeitung. Oft gab es für mich kein anderes Thema mehr. ich glaube gerade das war für mein Umfeld insbesondere für meinen Mann eine sehr schwere Zeit.
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Während der Aufarbeitung war es mir das erste mal möglich Gefühle auszudrücken die ich mein Leben lang verdrängt habe. Wut, Hass, Aggressionen, Traurigkeit haben sich manchmal wie eine Explosion entladen. Manchmal auf eine weise die ok war, wie z.B. als ich einmal im Wald einfach nur geschriehen habe, das andere mal auf eine weise die nicht ok war wie z.b. als ich den Küchenschrank eingetreten habe oder mit Gegeständen geworfen habe. ( dies passierte jedoch nur in der damaligen Krisenzeit) Heute hab ich gelernt damit umzugehen, mit diesen Gefühlen. Vor kurzem hatte ich wieder dieses Wutgefüh,l meinem Stiefvater gegenüber, als wir auf der Autobahn waren. Am liebsten hätte ich gegen das Armaturenbrett getreten. Als wir dann auf einen Parkplatz fuhren, ging ich auf eine Wiese und habe da mit dem Fuß immer wieder in den Boden getreten und dabei das Gras rausgerissen mit dem Fuß und gegen einen kleinen Ast im Boden getretenLaughing. Das reichte schon um die Wut rauszulassen. Oft hilft mir auch das Schreiben in mein Tagebuch, wo ich dann kein Blatt vor den Mund nehme. Ich denke es ist sehr wichtig das auch diese gefühle endlich rauskommen. ich habe sie jahrelang einfach hinuntergeschluckt und das hat mein Leben in allen Bereichen sehr eingeschränkt.
Mittlerweile bin ich an einem Punkt angekommen wo ich viele Erinnerungen zurück erhalten habe und versuche sie zu aktzeptieren das es ein teil meines Lebens ist.

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Im Bereich Informationen könnt ihr noch ein paar Beispiele lesen mit meinen Erfahrungen zu Dissoziativem Verhalten, depersonalisation oder derealisation, triggerzustände und Flashbacks, was besonders interessant ist finde ich. Das ´waren für mich unheimlich faszinierende Erlebnisse, die aber auch vergleichbar waren mit einem Höllentrip der unheimlich schwer war und Hart zum Zeitpunkt des Erlebens. Aber es gehört zum "Heilen" dazu und man kann es nicht umgehen. Ich bin mir sicher betroffene die selber in ihrer Aufarbeitung stecken werden mich bestätigen was diese Dinge betrifft.

Natürlich werde ich hier auch noch immer wieder aktuelle Dinge nachtragen, denn ich bin ja noch mitten in der Aufarbeitung und nicht am Ende. Wie lange es dauern wird weiß ich nicht, aber was ich weiß:

Alles wird Gut!!!