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DER KLAPPENTEXT 

Klang der Seele - mein Leben mit Borderline

 

Die Autorin wollte mit diesem Buch keinen klassischen Ratgeber schreiben, sondern vielmehr die Borderline-Störung mit viel Gefühl und persönlichen Erfahrungen, aus Sicht einer Betroffenen, beschreiben. Sie klärt auf, bricht ihr Schweigen und holt die Borderline-Störung aus einer Tabuzone heraus. Offen und ehrlich beschreibt sie hier ihre Gefühls- und Gedankenwelt, die durch Borderline geprägt ist und gibt unter die Haut gehende Gedichte wieder, die in verschiedenen Phasen ihres Lebenswegs entstanden sind.

Durch dieses Buch möchte sie Betroffenen und deren Angehörigen Mut machen, wie auch interessierten Lesern einen Einblick in ein Leben mit der Erkrankung Borderline geben. Der Autorin ist es wichtig, zu vermitteln, dass es trotz psychischer Erkrankung möglich ist, ein lebenswertes Leben zu führen und dem Teufelskreis aus Leiden und Opferhaltung zu entkommen.

Franziska Neidt hat es geschafft, sich ihrer Vergangenheit mit traumatischen Erlebnissen, wie Missbrauch und Gewalt, zu stellen und zeigt uns in diesem Buch ihren Weg in ein neues Leben.

 

 

LESEPROBE 1

 

 

 

In gesunden Partnerschaften herrscht häufig ein ausgewogenes
Nähe/ Distanz-Verhältnis. Anders in Beziehungen, in denen ein
Partner an der Borderline-Störung erkrankt ist.
Durch meine eigenen Erfahrungen, den Umgang mit Borderline in
meiner Arbeit und durch das Kennenlernen vieler Menschen mit
dieser Erkrankung, kann ich doch ein wenig darüber berichten, was
Nähe und Distanz betrifft.
Mir fällt es meist am leichtesten, wenn ich von meinen eigenen Erfahrungen
berichten kann.
Das Thema Nähe ist ein großer Punkt bei der Borderline-Störung.
Häufig wünschte ich mir nichts sehnlicher als Nähe zum eigenen
Partner, sehnte mich nach Liebe und Zuneigung. Kam mir mein
Partner dann jedoch zu nahe, wurde es mir schnell zu viel, und ich
ging automatisch und unbewusst auf Distanz. Eigentlich konnte er
es mir in dieser Beziehung nie wirklich recht machen. Eine gewisse
Nähe bedeutete immer auch eine gewisse Angst und Schmerz. Verursacht
wurde dies sehr wahrscheinlich durch meine Vergangenheit,
wo die Grenzen der Nähe durchbrochen worden waren. Mit Gewalt
wurde Nähe erzwungen, und heute heißt es, genau diesen Teufelskreis
von alten Mustern zu durchbrechen.
Nähe sollte in einer Partnerschaft etwas Schönes sein. In meiner
Partnerschaft ging ich häufig auf große Distanz, wenn es um Gefühle
ging. Alleine das Sprechen über Gefühle löste unweigerlich
Distanzverhalten bei mir aus. Je mehr mein Partner versuchte, gefühlsmäßig
an mich heranzukommen, desto mehr Distanz baute ich
auf. Ich war dann nicht mehr in der Lage, Gefühle zu zeigen, konnte
kaum noch sprechen und mich bewegen, war angespannt und führte
diesen innerlichen Kampf, der in diesen Momenten auch viel zerstören
konnte, da mein Partner damit nur schwer umgehen konnte.
Es ist fast unmöglich zu beschreiben, was diese Gefühle wirklich
auslösen können. Aber jede dieser Situationen war für mich ein
Lernprozess. Häufig war ich in diesen Situationen selbst von meinem
Verhalten geschockt und kämpfte immer wieder dagegen an.
Meine Therapeutin sagte immer zu mir: „Frau Neidt, Sie haben es
geschafft und überlebt, seien sie stolz auf sich.“
In einer Borderline- Beziehung leidet nicht nur der Betroffene,
sondern auch der Partner. Es kann häufig zu einer großen Zerreißprobe
werden. Der Partner wird mit selbstverletzendem Verhalten,
Wutausbrüchen, Aggressivität, Depressionen und Gefühlsausbrüchen
des Betroffenen konfrontiert. Er/Sie muss einen Weg für sich
finden, um mit solchen Verhaltensweisen des betroffenen Partners
umzugehen. Oftmals führen auch gerade solche Verhaltensweisen
zu Trennungen in Partnerschaften. Aber ich kann auch bestätigen,
dass es einen gemeinsamen Weg geben kann. Wenn man gemeinsam
kämpft, ist eine Zukunft in der Partnerschaft möglich.

 


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Leseprobe 2

 

Die Bedeutung der Mohnblume

Ich erinnere mich daran, wie ich als Kind mit meinen Freundinnen

in den Mohnblumenfeldern saß und wir oft dieses Spielchen spielten.

Wir nannten es „Engelchen und Teufelchen“. Wir öffneten immer

die geschlossenen Knospen der Mohnblumen. Kam dann eine

rote Mohnblume zum Vorschein, war man ein Teufelchen, kam eine

weiße Mohnblume hervor, was immer sehr selten war, war man das

Engelchen. Das machte stets viel Spaß.

Die Jahre vergingen, ich wurde erwachsen, und die Mohnblumen

waren plötzlich nichts Besonderes mehr, bis zu jenem Tag.

Im Mai 2007 saß ich mit meinem Schwiegervater am Frühstücks96

tisch, und so, wie an jedem Morgen, las er seine Zeitung, und ich

trank meinen Kaffee. Es war einer dieser Tage, an dem wir wieder

über viele Dinge geredet haben. Ich weiß nicht wie wir darauf gekommen

sind oder was der Auslöser für dieses Thema war, aber ich

sagte zu ihm, dass ich es komisch fände, seit meiner Kindheit keine

Mohnblumen mehr gesehen zu haben. Ich erzählte ihm von meinen

Kindheitserinnerungen und in welchen Mengen diese Blumen da zu

finden waren. Und jetzt? Alle weg. Ich fragte ihn, ob es überhaupt

noch Mohnblumen gäbe, aber er hatte darauf leider keine Antwort

für mich.

Drei Tage später fuhr ich mit meinem Mann zu Freunden. Wir saßen

im Garten, und da sah ich sie. Ich sah eine einzelne Mohnblume. Es

war keine der wilden Sorte, aber es war eine Mohnblume. Nach dem

Gespräch mit meinem Schwiegervater konnte ich es kaum fassen,

und erzählte dies voller Freude meinem Mann.

Es verging ca. eine Woche, und ich fuhr, wieder mit meinem Mann,

in unserem Ort am Sportplatz vorbei. Am Straßenrand sah ich

plötzlich unzählig viele Mohnblumen. Ich habe einen Schrei losgelassen

und habe aus dem Auto zurückgeschaut, weil ich es nicht

glauben konnte. Mein Mann hatte sich ein wenig erschrocken und

fragte, was denn nun los sei, doch als ich ihm den Grund für meinen

Aufschrei nannte, grinste er mich an. Für ihn waren es wahrscheinlich

nur Blumen, also nichts Besonderes. Ist ja auch verständlich.

In dieser Zeit passierte sehr viel. Mein Schwiegervater war sehr

krank, und einige Tage später, am Vatertag dieses Jahres, starb er

an seiner schweren Krankheit, nur zwei Wochen nach unserem Gespräch

über die Mohnblumen.

Fünf Tage nach seinem Tod hatte ich glücklicherweise einen Termin

bei meinem Therapeuten. Mit dem Auto war ich ca. eine Dreiviertelstunde

unterwegs. Als ich von der Autobahn runterfuhr, ging

es noch eine ganze Weile die Landstraße entlang, und das, was ich

jetzt erzähle, ist für mich eine Art Wunder, eine Erfahrung, die ich

niemals mehr vergessen werde. Die Gefühle, die dabei in mir aufwallten,

waren nicht zu beschreiben.

Ich sah plötzlich überall am Straßenrand Mohnblumen, immer wieder

ganz viele auf einmal. Ich konnte mich nicht satt sehen. Ich glaube,

nach dem vierten „Mohnblumenfeld“ begann ich während der

Fahrt im Auto so sehr zu weinen, dass ich kurz anhalten musste. Ich

war überwältigt und wusste nicht, warum. Die Erklärung hierfür

bekam ich später dann von meinem Therapeuten.

Er sagte mir:

Mohnblumen hat es immer gegeben, in einem Jahr mehr, im anderen

vielleicht weniger, aber sie waren immer da. Durch deine verletzte

Seele und deine verdrängten Gefühle hast du sie nur nicht

mehr wahrgenommen. Du hast sie nicht mehr gesehen. Sie haben

für dich nicht mehr existiert. Dass du sie nun wieder bemerkst und

diese Erfahrung machen durftest, hat damit zu tun, dass deine Gefühle

zurückkommen. Du bist auf dem besten Weg und hast sehr

vieles erreicht.

Nach der Therapiestunde hielt ich am Wegesrand, stieg aus, ging zu

den Blumen und öffnete vorsichtig eine der Knospen, so wie früher

als Kind. Ich war ein Teufelchen! 

 

 

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Der Klappentext:

Cassandras Leben verlief ganz normal bis zu diesem einen Tag, der alles veränderte, denn von heute auf Morgen wird Cassandra mit Angst- und Panikattacken konfrontiert. Erinnerungen aus ihrem Unterbewusstsein werfen ihr komplettes Leben aus der Bahn. Missbrauch, Misshandlungen und Vernachlässigungen lassen ihre Seele weinen. Sie befindet sich plötzlich in einem Diagnosedschungel von psychischen Erkrankungen wieder.

Doch Cassandra nimmt den Kampf gegen ihre Vergangenheit auf, beginnt eine Therapie und lässt den Leser tief in ihre verletzte Seele blicken. Es beginnt ein Wettlauf mit psychischen Symptomen und dem Willen, am Leben zu bleiben. Ihre Ängste sind Teil aus der Vergangenheit und immer wieder kommt der kindliche Anteil von Cassandra zum Vorschein und versucht die Überhand zu gewinnen.

Doch genau hier packt Cassandra an und entflieht allem Vergangenem. Während der ICH-Findung erhält sie immer wieder Erkenntnisse, um ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, denn nur sie kann diesen einen Schritt tun. Den Schritt in ein neues Leben, frei von den Geistern ihrer Vergangenheit

 

Leseprobe:

In dem nächsten Therapiegespräch erzählte Cassandra ihrer Ärztin, was auf der Geburtstagsfeier vorgefallen war. »Sie haben dissoziiert, Frau Parlin.« Aber wirklich verstehen konnte es Cassandra nicht und ließ sich dieses Symptom, oder was es auch immer war, von der Therapeutin erklären. »Es ist ein Abspalten der Gefühle, wenn diese zu intensiv werden. Man kann es damit vergleichen, dass man abschaltet und nichts mehr wahrnimmt, was um einen herum passiert.«

 Das klang doch sehr verwirrend für die junge Frau, die all das erleben musste. Dr. Reithardt hatte für Cassandra ein sehr gutes Beispiel. »Frau Parlin, stellen Sie sich Ihr Bewusstsein wie einen Vulkan vor. All die Jahre befindet sich die heiße Lava in Ihrem Unterbewusstsein und brodelt so vor sich hin. Irgendwann ist es dann soweit. Der Vulkan bricht aus und die heiße Lava beginnt zu fließen. Man kann es nicht aufhalten, muss die Lava durchfließen lassen bis zum Schluss, bis sie alleine stoppt. Dieses Beispiel können Sie mit Ihren Erinnerungen vergleichen.« 

Es wurde still im Therapiezimmer. Cassandra dachte über die Worte der Therapeutin nach. Sie fühlte sich momentan wie in einem Kampf gegen ihre eigene Vergangenheit und gleichzeitig spürte sie positive Energie in sich, die ihr immer wieder sagte: »Alles wird gut«. Es war ein Wechselbad der Gefühle. Wie immer fühlte sich Cassandra nach ihrem Termin etwas besser. Das Sprechen über alles bewirkte Wunder. Sie merkt immer deutlicher, wie wichtig es war, über die Dinge zu sprechen. Doch häufig fiel es ihr schwer zu reden, weil sie selbst das Gefühl hatte, dass all dies so verrückt klang. Dass sie vielleicht genauso verrückt sei. An diesem Tag konnte man mit Cassandra nicht besonders viel anfangen. Sie fühlte sich irgendwie komisch, gefangen in den Erinnerungen und Ängsten. Sie musste mehrfach an ihre Mutter denken, zu der sie schon seit längerer Zeit keinen Kontakt mehr hatte. Durch einen großen Streit, den die beiden hatten, ging die Beziehung kaputt. Cassandra hatte mehrmals versucht, den Kontakt wieder aufzunehmen, aber sie spürte, wie schlecht es ihr immer wieder damit erging. Manchmal kam sie jedoch an den Punkt, wo sie immer wieder mal an ihre Mutter denken musste und sich fragte, wie es ihr wohl gehen mochte. In diesen Augenblicken machte sich Cassandra jedoch bewusst, dass es keinen Sinn machte, sich mit der Frage zu beschäftigen. Aber jedes Mal, wenn die Erinnerungen auftauchten, war ihre Mutter in gewisser Weise ebenso präsent, wahrscheinlich deshalb, weil auch sie ein Teil der Vergangenheit war. Soweit sich Cassandra erinnern konnte, hatte ihre Mutter immer Probleme gehabt. Als Cassandra 10 Jahre alt war, kam sie von der Schule nach Hause, öffnete die Haustür und fand ihre Mutter am Boden liegend vor. Sie hatte versucht, sich mit Alkohol und Tabletten das Leben zu nehmen. Jedoch konnte sich Cassandra nicht daran erinnern, was sie in dem Moment getan hatte, als sie ihre Mutter vorfand. Es war einfach nur diese Erinnerung, die im Gedächtnis geblieben war.