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Aufarbeitung 2013
Aufarbeitung 2013
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Stabilität und Rückfall

 Ein Bericht aus Juli 2013

Stabilität ist eine wundervolle Phase bei der Boderline-Störung. Stabile Gefühle, stabile Stimmung bedeuten für mich, Das Leben zu genießen und einfach kurz gesagt Lebensqualität.
Nach meiner Entlassung aus der Psychiatrie im Oktober 2010 halfen mir eine intensive ambulante Therapie und eine medikamentöse Lithium-Therapie, eine für mich wundervolle Stabilität zu erreichen. Natürlich waren kleine Rückfälle zu beobachten, aber diese konnte ich sehr gut meistern und immer wieder abschließen. Dieses Gefühl machte mich unglaublich stolz, denn es zeigte mir, was ich für mich erreichte habe.
Niemals dachte ich daran, das nochmals ein Aufenthalt in der Psychiatrie notwendig sein wird.- bis zu diesem Tage im Juni 2013, als meine Therapeutin mir diese Worte sagte: „ Frau Horn, ich empfehle Ihnen einen stationären Aufenthalt in der Klinik um die akuten Symptome der Depression abzufangen.“
Zu Beginn war ich entsetzt, schockiert, fühlte mich als Versager und fühlte mich schuldig weil ich nach so langer Zeit in dieser Negativspirale gefangen war. Gefühle wie Wut, Trauer und Hoffnungslosigkeit machten sich breit in mir weil ich es nicht schaffte aus diesem Teufelskreis zu entfliehen.

Nach einigen Tagen als ich die Umstände akzeptierte und mich entschied die Hilfe eines stationären Aufenthaltes anzunehmen machte ich mir Gedanken warum es so weit kam. Warum ich wieder in diese Depression rutschte und warum mich alte Glaubenssätze und Verhaltensweisen so in Beschlag nahmen.
Die Antwort war relativ einfach zu finden. Es gab hier 2 Dinge die eng zusammenspielten. Im Februar musste ich das Medikament Lithium absetzten weil mein Körper es irgendwie nicht mehr aufgenommen hat. Und dann kam noch die ambulante Therapie hinzu. Ich bearbeitete dort mit meiner Therapeutin das für mich sehr schwer belastende Thema Sexualität( was auch Thema letztes Jahr in der Trauma Therapie war). Im Laufe von 2 Monaten hat sich meine Gefühlslage dadurch drastisch verschlechtert. Ich begann immer mehr in diese unerträglichen Stimmungsschwankungen zu geraten. Ein Auf und ab meiner Gefühle wie in einer Achterbahn. Urplötzlich litt ich wieder an nächtlichen Flashbacks, neue Erinnerungsblitze lähmten meinen Körper und meine Seele. An Schlaf war zu dieser Zeit kaum noch zu denken. Schwere Körpererinnerungen und Schmerzen von früher aus der Missbrauchs Situation machten mich seelisch zu einem neuen „Wrack“.

Mittlerweile stand ich ja bereits auf der Warteliste für die Psychiatrie. Während der Wartezeit hatte ich die Möglichkeit mir Gedanken über alles zu machen- und auch Erkenntnisse die mir ein klein wenig aus der unerträglichen Situation halfen.

Mein FAZIT oder auch meine RADIKALE AKZEPTANZ:

Trotz all der seelischen Schmerzen, Nähe und Beziehung lösten sich diese neuen Erinnerungen, auf die ich schon lange wartete- denn nur so setzt sich das Puzzle meines Lebens endlich zusammen! Leider hatte ich wohl verdrängt wie schmerzhaft solche eintretenden Erinnerungen sind. Aber sie haben etwas sehr positives. Die Erinnerungen zeigen mir eine wichtige Reaktion von mir aus dem Missbrauch von früher. Eine Reaktion die ich auch leider immer wieder bei meinem geliebten Mann erlebe. Nun habe ich endlich die Erklärung dafür und kann langsam anfangen gemeinsam mit meinen Therapeuten daran zu arbeiten und dies zu wnadeln.Denn eigentlich soll Sexualität ja etwas Schönes sein mit dem Partner. Jedoch bei einem verletzten, Trauma besetzte Sexualität kann dies häufig sehr schwer werden.

Einige Zeit nachdem diese Erinnerungen auftauchten wurden die nächtlichen Flashbacks weniger und weniger intensiv. Ich bekam nach 3 Wochen Wartezeit nun endlich den Platz im Bezirksklinikum. Nun hieß es für mich, mich meinen schrecklichen Schuldgefühlen zu stellen, meine Scham zu überwinden und dem Therapeuten in der Klinik zu berichten was mich nach langer Stabilität so aus der Bahn geworfen hatte. Und das viel mir sehr schwer.
Zusätzlich kämpfte ich täglich mit meinem schlechten Gewissen meiner Familie gegenüber, es war schwer zu akzeptieren dass ich wieder so schwer gefallen bin und es tat weh zu erkennen, dass ich Hilfe von außen benötigte weil ich es alleine nicht mehr bewältigen konnte.

Nun bin ich schon die 4. Woche in der Klinik und kann es akzeptieren und annehmen und bin stolz darauf diesen Schritt gemacht zu haben. Derzeit ist es eine harte Arbeit, das ich diese neuen schrecklichen Erinnerungen in mein Leben integrieren kann. Dadurch dass ich mich dafür sehr schäme kann es jedoch eine ganze Weile dauern. Jedoch habe ich große Unterstützung durch meinen derzeitigen Therapeuten in der Klinik. Zu Beginn fiel es mir sehr schwer mich zu öffnen, vor allem wegen der Thematik Sexualität. Aber im Laufe der 4 Wochen jetzt hab ich es düsteren geschafft mich zu öffnen und habe erfahren dass es nicht schlimm ist darüber zu sprechen, denn es gibt nichts wofür ich mich schämen müsste, denn die alleinige Schuld liegt beim Täter.

Aber es ist nicht das erste Mal. Bei all den anderen schrecklichen Erinnerungen der letzten Jahre hab ich es auch geschafft. Es war schwer und ein steiniger Weg ABER ich habe es geschafft und „überlebt“ wie meine Therapeutin immer so schön sagt.

Und so habe ich tief in mir drin den Optimismus, dass ich es auch dieses Mal erreichen kann- wieder aufzustehen.
Aufzustehen und sagen: Ich habs geschafft.

Vor allem sehe ich es als sehr positiv an, dass ich weiß, das sich viele Dinge NUR in meinem Kopf abspielen. Das viele „Geister“ nur in meinem Kopf existieren, was einfach auch die Borderline- Störung mit sich bringt. Und gerade einer Krisenphase können diese „Geister“ mir das Leben sehr schwer machen.
Ich weiß dass ich mit meinem Willen und meiner inneren Stärke, und auch mit medikamentöser Therapie und Therapiegesprächen wieder eine Stabilität erreichen kann. Dann werde ich die „Geister“ in meinem Kopf beruhigen und annehmen und ich werde dafür sorgen, dass die positiven und hoffnungsvollen Gedanken wieder einen Platz in meinem Gedankenwirrwarr haben.

Denn in meinem Herzen weiß ich: ALLES WIRD GUT!!!!

Nun brauch ich einfach etwas Zeit für mich und viel Geduld mit mir um wieder Fit und Stabil zu werden.

Jedoch war es zu Beginn eine sehr schreckliche Erkenntnis aus der Stabilität raus in eine schwere Krise zu fallen. Ich schäme mich nicht mehr dafür, denn hinfallen ist erlaubt, Mann muss nur wieder aufstehenà DAS TUE ICH!

Denn ich will Leben, für mich und meine Familie und Freunde. In diesem Zusammenhang ein großes Dankeschön an meine Familie die vieles „ertragen“ müssen und danke an alle die hinter mir stehen.

 

Wenn es in meiner Seele dunkel ist,
dann male ich mir eine Sonne an den Himmel
und einen Regenbogen,
der meine Gefühle wieder erhellt.

 

Nicole Franziska Horn

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Nach meinem 7- wöchigen  Aufenthalt in der Psychatrie kämpfte ich noch eine Zeitlang mit Stimmungsschwankungen und die Medikamente wurde erneut umgestellt.

Jedoch hab ich es geschafft--> ab November 2013 habe ich eine Stabilität erreicht die mir unglaublich gut tut. Das Leben beginnt wieder Spass zu machen und ich kann alles geniesen. Ich muss kaum noch auf meine Bedarfsmedikamente zurückgreifen weil es mir einfach gut geht. Mittlerweile ist es Mai 2014 und ich bin noch immer Stabil.